Sy Truong
Parfümeur, Gründer von Sylhouette, Gewinner des Art and Olfaction Award 2024
Wie er zur Parfümerie fand
Sy Truong wuchs nicht mit Parfüm auf. Aufgewachsen in Vietnam in einer bürgerlichen Familie, spielte Duft im Alltag keine Rolle. Das änderte sich, als ihm sein Vater mit fünfzehn eine Flasche Alien von Thierry Mugler schenkte. Jahre später entdeckte er Diary of a Nose in einem Antiquariat – ein Schlüsselmoment. Er ließ die Mode hinter sich und folgte dem Weg in die Parfümerie – ohne Lehrer, ohne Abkürzungen und ohne je zurückzublicken.
Wo alles begann
In Vietnam gab es keine Parfümeurschulen. Keinen Zugang zu Rohstoffen außer einfachen ätherischen Ölen. Sy brachte sich alles selbst bei – durch Bücher, nächtelange Foren und jahrelange Praxis. Er importierte Rohstoffe aus Frankreich und den USA, um zu verstehen, wie sich Materialien verhalten. Er lernte langsam, mit der Hand. So arbeitet er bis heute am liebsten.
Sein erstes Statement
Sein Debütduft Molotov Cocktail wurde nicht geschaffen, um schön zu riechen. Er war ein Protest. Inspiriert vom Krieg in der Ukraine und dem Tod eines engen Freundes, fing er den Geruch von Konflikt ein – Blut, Metall und verbrannter Gummi. Sy beschreibt ihn als Botschaft in einer Flasche. Nicht tragbar. Nicht höflich. Nur notwendig. Es wurde der erste vietnamesische Duft, der den Art and Olfaction Award gewann.
Wie er arbeitet
Sy interessiert sich nicht für sichere Düfte. Er arbeitet mit Spannung, Kontrast und kraftvollen Synthetika. Moleküle wie IsoButyl Quinoline gehören zu seiner Handschrift – so sehr, dass er sich eines davon auf den Arm tätowieren ließ. Er beginnt mit Emotion, dann folgt die Struktur. Seine Kompositionen halten sich selten an Regeln – aber immer an das Gefühl.
Seine Vision: Sylhouette
Sylhouette ist Sys persönliche Duftwelt. Gebaut aus Drama, Poesie und Erinnerung. Er schöpft aus Literatur, Musik und Vergänglichkeit. Die nächste Kollektion, Le Vanité, erforscht Zeit, Tod und Schönheit ohne Dauer. Für Sy ist Parfüm nichts Kommerzielles. Es ist persönlich. Jede Flasche enthält etwas Unvollendetes.
In seinen eigenen Worten
„Ich möchte, dass meine Düfte Menschen zum Nachdenken bringen. Selbst wenn sie sie nie tragen.“