Chester Gibs

Perfumer, Visual Artist, Storyteller

Wie der Duft seinen Autor fand

Chester wuchs in einem niederländisch-indonesischen Haushalt auf, in dem Duft zu allem gehörte.
Gewürze in der Küche. Weihrauch beim Gebet. Sommerregen.
Nichts war je bloß Hintergrund.

Er studierte Kunst, nicht Chemie. Seine ersten Skizzen trugen Duft – nicht als Dekoration, sondern als Erinnerung. Parfümflakons standen neben Bleistiften. Materialien verschwammen. Irgendwann überschritt er die Grenze. Und blieb dort.

Wenn Kunst auf Duft trifft

Auf seinem Blog Pencils & Perfumes beschreibt Chester seine Arbeit als den Punkt, an dem visueller Rhythmus auf olfaktorischen Raum trifft. Er komponiert keine Parfüms aus Noten – er fühlt sie als Farben, Bewegungen, Temperaturen.

Ein Zitrusakkord kann sich anfühlen wie Sonnenlicht, das durchs Fenster fällt. Eine harzige Basis wie die ruhige Schwere auf Papier. Er erklärt es nicht. Er zeichnet es.

Veröffentlicht mit Intention

Before the World Moved Again ist Chesters erste veröffentlichte Edition bei New Niche.
Sie begann mit etwas Kleinem. Einer Frau auf Bali. Einer Gasse. Einer täglichen Opfergabe, achtsam niedergelegt.
Er hatte nicht geplant anzuhalten. Doch er tat es.
Dieser Moment wurde zum Kern der Komposition. Nicht inszeniert. Nur empfunden. Das Ergebnis ist meditativ, klar und still lebendig.
Ein Duft, der nicht versucht, dich zu definieren, sondern dich findet – wenn du bereit bist.

Andere Werke, die nachklingen

Walk With Me (2023, mit Annindriya)
Dieses Parfüm entstand als Teil eines sensorischen Triptychons – drei Duftreisen, jede verwurzelt in einem Ort. Walk With Me war die intimste davon. Es wurde geschaffen, um dich sanft zu begleiten, wie eine stille Gegenwart an deiner Seite. Die Komposition ist weich und transparent, getragen von Hölzern und geerdeten Gewürzen. Vor allem aber wirkt sie menschlich.


Für Chester war sie weniger eine Kreation als eine Begleitung. Bouquet de Bury (2022, für Château de Courrière) beauftragt als Raumduft für das Château de Courrière in Belgien, entstand dieser Duft aus der Atmosphäre des Ortes selbst. Er fängt die Ruhe historischer Räume ein – Sonnenlicht auf Stein, Frucht in der Luft, altes Holz und Erde.
Im Jahr 2024 kehrte Chester ins Château zurück, um mit Schulkindern einen Duftworkshop zu leiten. Gemeinsam zerlegten und interpretierten sie den Duft neu – allein geführt von dem, was sie dabei fühlten. Später sagte Chester, dieser Tag habe ihn daran erinnert, warum er überhaupt begann, Düfte zu schaffen.

Was seine Hand leitet

Chester arbeitet langsam. Seine Formeln sind präzise, aber nie starr.
Ihn interessieren Gleichgewicht, Kontraste und jene unsichtbaren Momente, die einen Duft zusammenhalten.
Seine Kompositionen sind oft warm, aber nicht schwer. Strukturiert, doch nie erzwungen.
Für ihn ist Parfümerie eine Form des Zuhörens. Dem Material. Der Stimmung. Dem, was darunter wartet.

„Wenn sich ein Duft nicht anfühlt, als würde mir jemand etwas Wichtiges sagen, habe ich noch nicht angefangen.“